Projekt Dreisprung - mit drei Schritten zur Lehre

LÜCK



Deutsch lernen alleine reicht nicht.« Das sagte Landrätin Anita Schneider am Mittwoch bei der Lück Gebäudetechnik GmbH in Langsdorf. Sie zog mit weiteren Beteiligten Zwischenbilanz zum Integrationsprojekt »Dreisprung zur Ausbildung – Berufseinstieg von Geflüchteten«, das im Dezember startete. Nach den ersten beiden »Sprüngen« startete jetzt der finale Abschnitt des Projekts zwischen Landkreis und Unternehmen.

In drei Schritten (Sprünge) sollen Flüchtlinge an einen Arbeitsplatz herangeführt werden. Zuerst stand ein sogenanntes Matching an: Dabei wurden die Personen in Gesprächen und Kurzpraktika an Unternehmen vermittelt, die am besten für sie geeignet waren und ihren Wünschen entsprachen. Als Nächstes folgte eine Praktikumsphase, in der die Interessierten an die Berufe herangeführt wurden. Der zweite Sprung startete dann im Februar mit einer sechsmonatigen Fördervertragszeit, in der das Wissen und die Deutschkenntnisse verbessert werden sollten. Hier gingen die Teilnehmer zum ersten Mal in die Berufsschule.

Anfang August stand schließlich der dritte und letzte Sprung an: Die Übernahme in ein duales Ausbildungsvertragsverhältnis. Damit soll den Bewerbern die Übernahme in ein Arbeitsverhältnis ermöglicht werden. »Integration kann nur gelingen, wenn die Menschen in den Arbeitsmarkt integriert werden«, erklärte die Landrätin. Insgesamt 20 Flüchtlinge im Landkreis konnten bisher an einen Ausbildungsplatz vermittelt werden. »Aber das ist nur ein Anfang, wir können uns da noch sehr viel mehr vorstellen«, sagte Schneider.

Die Idee zu dem Projekt kam von der Lück Gruppe: Bei Lück Gebäudetechnik in Langsdorf fingen Anfang dieses Jahres fünf Flüchtlinge mit dem Dreisprung-Projekt an – alle fünf wurden zum 1. August in ein geregeltes Ausbildungsverhältnis übernommen. Insgesamt absolvieren bei der Lück Gruppe deutschlandweit rund 150 Personen ihre Ausbildung.

Auch für Handwerksbetriebe hat das Projekt Vorteile: »Viele Betriebe suchen händeringend nach Fachkräften oder Auszubildenden«, berichtet Uwe Böck, stellvertretender Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. »Der Dreisprung leistet da wichtige Vorarbeit und erleichtert so die spätere Auswahl eines Auszubildenden.«

Die fünf Auszubildenden bei Lück berichteten von ihren Erfahrungen. Vor allem eins macht allen zu schaffen: die Sprache. Das aber auf andere Weise, als gedacht: »Mit dem Sprechen haben wir keine Probleme – aber das Verstehen von manchen Kollegen ist schwer«, berichtet Salman Saddique, der vor anderthalb Jahren aus Pakistan nach Deutschland kam. »Mir wurde mal gesagt, ›Komm ma nach unne‹, und da musste ich dann erst mal nachfragen: Was heißt ›unne‹?«. Auch andere Begriffe und Redewendungen machen ihnen zu schaffen: »In der Berufsschule habe ich zum ersten Mal ›Ich hab keinen Bock‹ gehört und fragte mich: ›Was für einen Bock meint der denn‹?«, berichtet der 35-jährige Hadi Daeijavad. Er kam vor dreieinhalb Jahren aus dem Iran nach Deutschland. Bereits dort machte er eine sechsmonatige Ausbildung zum Elektrotechniker – »aber das ist etwas ganz anderes als hier in Deutschland«. Deshalb musste er wieder bei Null starten.

Daneben gab es häufiger Probleme mit der Mobilität – alle müssen pünktlich bei ihrer Arbeitsstelle sein, was nicht immer leicht ist. Bei der Arbeit und im Betrieb läuft dagegen alles gut. Hadi spricht von »unserem Betrieb«.

Als nächsten Schritt plant der Landkreis die Schaffung einer Koordinierungsstelle, die das Zusammenspiel zwischen potenziellen Auszubildenden, Landkreis und Unternehmen weiter verbessern soll.